Archiv für Juli 2016

Aktionstreffen wegen anstehender Räumung vom M99

Brennende Autos, demolierte Schaufenster oder wilde Tiere die das Zentrum für moderne Sklaverei im Wedding mithilfe von umfunktionierten Feuerlöschern verschönern. Die Liste der Protestaktionen im Zusammenhang mit der Teilräumung der Rigaer 94 sowie der Bedrohung des M99 und der Friedel 54 ist lang, vielfältig und auch für die Ausübenden mit viel Risiko verbunden.

Es ist selbstverständlich das man diesen, durch kapitalistische Profitgier und politisches Kalkül getriebenen, Angriff auf alternative, freie, selbstorganisierte und im Kiez etablierte Strukturen nicht unbeantwortet lassen darf. Doch nicht jeder ist bereit oder in der Lage seine eigene Gesundheit und seine Zukunft in einer Nacht und Nebel Aktion, einem Katz und Maus Spiel mit der Polizei aufs Spiel zu setzen.

Glücklicherweise bietet das dezentrale Organisationskonzept, welches hinter Tag X steht, sehr viel Freiraum für militante aber auch kreative Widerstandsformen. Mensch muss nicht gleich den Luxuswagen eines fiesen Investors abfackeln, da er auch mit repetiven und regelmäßigen Schlägen auf einen Topf seinen Unmut ausdrücken kann. Er muss nicht gleich vermummt und geladen im Zuge einer Demonstration den Polizeiapparat beschädigen, da er auch einfach, wie es die 68er-Bewegung zeigte, durch ständiges überqueren eines Zebrastreifens den Verkehr und somit den Ablauf polizeilicher Maßnahme behindern kann. Er muss nicht gleich mit Dosen und Farbe bewaffnet durch die Nacht huschen, da er sich auch einfach am Tag der Räumung mit seinen Freunden für eine nette Runde Federball auf der Skalitzer verabreden kann. Die Reichweite der Möglichkeiten, die ein dezentrales Konzept bietet, ist fast unendlich, da jeder Einzelne und jede Gruppe ihren individuellen Widerstand formulieren kann. Momentan erleben wir in Berlin wie die Polizei für politische Machtinteresse hinsichtlich der kommenden Wahlen und privater Wirtschaftsinteressen instrumentalisiert wird.

Mensch muss kein Freund autonomer Strukturen oder Aktionsformen sein um zu erkennen, das diese Methode dem Bilde unserer, sich als demokratisch und freiheitsliebend verstehenden, Gesellschaft widerspricht. Macht- und Gewaltausübungen, wie sie von Henkel gefordert und gefördert werden, sollten letztes Mittel politischer Auseinandersetzungen sein. Der Kampf um die Rigaer ist kein Kampf wilder Chaoten gegen rechtschaffene Christen, sondern ein Kampf um die Freiheit sein Leben so zu gestalten wie man es als richtig empfindet. „Wir wollen das Kastendenken aufbrechen und aufzeigen das der Ausgang dieses Konfliktes maßgeblich über den zukünftigen Charakter politischer Diskurse entscheiden wird. Berlin war schon lange ein Hafen für Künstler, Kreative, Freidenker u.v.m. und soll es verdammt nochmal auch bleiben!“

Wir wollen zusammen mit euch diskutieren, was am Tag der Räumung Sinn machen könnte und wollen gemeinsam eine oder mehrere Aktionen planen. Kommt vorbei und bringt eure Ideen mit. Dieses Treffen richtet sich explizit auch an Jugendliche und unorganisierte (junge) Leute.

Infos zum M99 gibts hier: M99