Archiv für November 2011

Antifa-Action-Wochenende

21. November 1992: Silvio Meier und einige Freund_innen gehen in den U-Bahnhof Samariterstraße, es ist später Abend. Im Zwischengeschoss treffen sie auf eine Gruppe Nazis, einer von ihnen trägt einen „Ich bin stolz darauf, Deutscher zu sein“-Aufnäher. Silvio und seine Freund_innen nehmen ihm dem Aufnäher ab und gehen weiter zur Bahn. Doch diese kommt nicht, es dauert ihnen zu lange, sie wollen wieder zurück zur Straße. Im Zwischengeschoss treffen sie erneut auf die Faschos. Einer von ihnen zieht ein Messer und sticht auf Silvio Meier und seine Begleiter_innen ein. Der 27-jährige Silvio Meier, Hausbesetzer und Antifaschist, stirbt noch im U-Bahnhof, weitere Personen werden schwer verletzt. Für die Polizei stellt sich die Lage als „Streiterei unter Jugendbanden“ dar, ein politischer Hintergrund wird zunächst geleugnet. Erst nach mehreren antifaschisten Demonstrationen und direkten Aktionen gegen Nazistrukturen in Berlin wird die politische Dimension dieses Mordes anerkannt. Die beteiligten Nazis werden zu lächerlichen Haft- oder Bewährungsstrafen verurteilt.

Seither findet im Gedenken an Silvio Meier, an die zahlreichen anderen von Nazis ermordeten Menschen und um auf neonazistische Umtriebe in Berlin und der BRD hinzuweisen Jahr für Jahr die Silvio-Meier-Demonstration statt. Nicht nur die jüngst entdeckte Existenz einer Bande von kaltblütigen Nazimördern zeigt in diesem Jahr ganz besonders drastisch, warum es nach wie vor notwendig ist, den antifaschistischen Kampf auf die Straße zu tragen. Auch die Berliner Naziszene sorgte in diesem Jahr mit Brandanschlägen auf linke Wohnprojekte und Übergriffen auf Passant_innen und Gegendemonstrant_innen für Aufsehen. Den Frust, den die Berliner Nazis auf Grund ihrer weitgehenden politischen Bedeutungslosigkeit schieben, versuchten sie durch einen provokanten Wahlkampf und mittels militanter Aktionen abzulassen. Einen Ausgangspunkt für diese Aktionen, aber auch einen Ort für Infoveranstaltungen und Schulungen, stellt dabei der neu eröffnete Naziladen in der Lichtenberger Lückstraße 58 dar. Die Silvio-Meier-Demo wird in diesem Jahr auch hier vorbeigehen, um den Faschos klarzumachen: nicht einen Kiez, nicht einen Fußbreit des öffentlichen Raums kriegt ihr von uns!

silviomeier

Daher: Wir vergessen nichts! Auf die Straße im Gedenken an Silvio Meier und gegen den Naziladen in der Lückstraße! Antifa heißt Angriff!

Antifaschistische Demonstration: Samstag, 19.11., 15 Uhr, U-Bahnhof Samariterstraße
Mahnwache in Gedenken an Silvio Meier: Montag, 21.11., 17 Uhr, U-Bahnhof Samariterstraße

Aber nicht nur in Lichtenberg treiben sich Nazis rum. Auch in Weißensee ist in Zukunft wohl – leider – verstärkt mit ihnen zu rechnen. Immerhin gibt es nun dort einen Laden der bei Neonazis und rechtsoffenen Prolls beliebten Marke Thor Steinar. Am Vorabend der Silvio-Meier-Demonstration gibt es daher eine Demonstration gegen den Laden, in Weißensee direkt.
keinkiez

Und wer nach all diesen Demos mal eine Pause braucht, sich erholen will und den schönen Dingen des Lebens frönen möchte, auf den wartet noch die Soli-Party des Silvio-Meier-Demobündnisses. Ebenfalls am Samstag, 19.11., ab 22 in der K(inzigstraße) 9. Es gibt Cocktails, „normale“ Getränke und feinste DJ_anes!

See you on the streets and on the dancefloor!